Unser Appell

Dezentralisierung: Jetzt!

Für eine tatsächliche dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden in Leipzig

Die jüngsten Ereignisse rund um die geplante „Dezentralisierung“ von Asylsuchenden in Leipzig, die bislang in so genannten Sammelunterkünften untergebracht sind, zeigen erneut die rassistischen Ressentiments vieler LeipzigerInnen.
Im Juni 2010 beschloss der Leipziger Stadtrat mehrheitlich die Verwaltung mit der Erstellung eines Konzepts zur dezentralen Unterbringung zu beauftragen. Das nun vorliegende Konzept sieht vor, die vorhandenen Sammelunterkünfte für Asylsuchende zu schließen und die BewohnerInnen dezentral, also in normalen Wohnungen unterzubringen. Ende Mai 2012 wurde von der Verwaltung bekannt gegeben, wo die neuen Unterkünfte entstehen sollen.
In den Stadtteilen Portitz, Wahren, Plagwitz, Dölitz-Dösen, Grünau und Eutritzsch sollen jeweils Objekte der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) beziehungsweise aus dem Bestand der Kommune für diese so genannte dezentrale Unterbringung hergerichtet werden. In den Objekten werden jeweils mindestens 16 BewohnerInnen aus den früheren Asylsuchendeneinrichtungen leben. Sie sind somit ausschließlich von den Asylsuchenden bewohnt, ein nachbarschaftliches Zusammenwohnen mit den übrigen BewohnerInnen ist nicht erwünscht. Dies zeigt, dass die Rede von einer Dezentralisierung blanker Hohn ist. Während in anderen Städten Asylsuchende wirklich dezentral untergebracht werden, sie also genau wie die übrigen BewohnerInnen in Mietwohnungen leben können, setzt man in Leipzig auch von offizieller Seite weiterhin auf eine zentrierte Unterbringung, wenn auch ohne Zäune. Da hilft es auch wenig, wenn immer wieder gesagt wird, dass bereits ein Großteil der Asylsuchenden dezentral untergebracht sei.
Nun aber regt sich in den betreffenden Stadtteilen – vor allem im nordöstlichen Portitz und im nordwestlichen Wahren – Protest seitens einer Vielzahl der hier lebenden, weißen Mehrheitsgesellschaft. Zu einer öffentlichen Anhörung zur Vorstellung des Konzepts durch den Sozialbürgermeister Fabian kamen in Portitz mehr als 500 Menschen und drückten ihre vermeintlichen Ängste und Nöte aus. Auch in Wahren zeigte sich Protest. Am Donnerstag, den 24. Mai demonstrierten 120 BewohnerInnen gegen die dezentrale Unterbringung im Stadtteil. Hinter dem Protest und den geäußerten Argumenten zeigen sich rassistische Ressentiments, wonach man mit einer Zunahme der Straftaten rechnen müsse, die Kinder gefährdet seien und überhaupt sich die Wohnlage verschlechtern würde. Auch wenn viele LeipzigerInnen nicht zu dumm sind, immer wieder zu betonen, man habe nichts gegen Ausländer, diese sollen aber bitte nicht in ihrer Nähe wohnen, beweist das aktuelle Vorgehen und Verhalten die Tatsache, dass Leipzig ein tiefsitzendes Problem hat: Rassismus! Dies ist eine traurige Kontinuität in der jüngeren Geschichte der Messestadt, erinnert sei an die rassistische Begründung des geplanten Baus einer Asylunterkunft in der Wodanstraße durch den Leipziger Stadtrat, die beabsichtigte Gründung einer Bürgerwehr gegen Sinti und Roma in Volkmarsdorf oder die vorhandenen Ressentiments und Diskriminierungen gegen in den Ostteilen der Stadt lebende MigrantInnen.

Aufgrund dieser Situation und der bedrohlichen Lage für die asylsuchenden Menschen in Leipzig, fordern wir alle couragierten BewohnerInnen auf, sich wirklich für eine nachhaltige dezentrale Unterbringung einzusetzen. Dies meint gerade die Schaffung von Wohnraum in den zentrumsnahen Stadtteilen! Nicht die Asylsuchenden sind das Problem, sondern der rassistische Bürgermob und die rassistischen Ressentiments vieler BewohnerInnen in Leipzig.

AG Dezentralisierung Jetzt!

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Sprecher der „AG Dezentralisierung: Jetzt“: Detlef Holz

Email: ag.dezentralisierung.jetzt@googlemail.com

Presseanfragen: detlef.holz1980@googlemail.com

 

Ein Kommentar zu Unser Appell

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